Riesenslalom tote Dame

Rudi erzählt. Früher war ich der beste Schifahrer der Welt. Sicher, auch im Fernsehen und bei Sport am Montag hat man es gemerkt, dass ich nicht immer „hoch motiviert“ und zum Teil sogar froh war, einzufädeln und auf ein Bier zu gehen.

Dann hatte ich einen Autounfall. Gestorben bin ich, weil ich gequatscht habe.

Du hast ja als Kind, als lebende Überwachungskamera, mitbekommen, was da los war. Mein Mütterlein, Gott hab sie selig, hat Gift verteilt. So war sie halt, ich kannte nichts anderes. Wo sie den Dreck her hatte weiß ich nicht.

Was man so hört ermittelt jetzt die Kriminalpolizei im Land Salzburg. Zum Beispiel in dem Fall den du als Kind ganz direkt mitbekommen hast, die Sache mit der toten alten Dame. Ich habe mich immer gefragt, wie es mein Mütterlein geschafft hat, das Gift für diese Aktion an dein Mütterlein heran zu spielen, heute weiß ich es.

Die alte Dame hat in dem Haushalt gelebt, in dem du als Kind immer zu Mittag gegessen hast, was man so hört hat dir der Franz das arrangiert. Nicht nur, weil ihm die Juniorchefin in ihrer Wäsch gefallen hat, auch weil du ein wenig menschliche Wärme in Form von Fischstäbchen gebraucht hast.

Plötzlich ist die alte Dame dann immer wieder zusammengebrochen, war völlig schwachsinnig, konnte ihre Ausscheidungen nicht mehr halten. Ein Trauerspiel, richtig makaber, was du erzählt hast. Das passt zu dem dummen Spruch der Männer bei euch, dass nach einer Frechheit der Schließmuskel das erste ist, was nicht mehr funktioniert.

Gequatscht hat die Alte wohl über den Goldschatz in der Raiffeisenbank, das Schwarzgeld aus München, das die Weiber hervorholen, wenn das brave Töchterlein Häusle bauen will.

Pralinen

Gut, es war eine Bonbonniere, ein paar „Pralinen“, wie die Piefke sagen. Mir brauchst du mit dem Rechtsradikalismus nicht zu kommen und den Deutschen. Blond bin ich selber. Aber zur Sache. Scherz beiseite.

Es dürfte so abgelaufen sein, dass dein Mütterlein von den Eltern ihrer Schüler eine kleine Aufmerksamkeit geschenkt bekommen hat, wie man das so macht um die Frau Lehrer gnädig zu stimmen. Das Zeug hatten die Eltern von einer kleinen, ein wenig schiachen Frau, die zwei auffällig hübsche Kinder hatte. Am Ende wurde die Schachtel dann von deiner Mammi an die alte Dame übergeben, „zum Dank“, dass der Herr Sohn Fischstäbchen bekommt.

In dem Haus der Alten ist Panik ausgebrochen. Allzu auffällig waren die Symptome. Das steckt keiner so leicht weg.

Die Schiache (nicht deine Mammi) hat uns immer wieder besucht. Ich habe sie sogar gesehen, als ich von einer Weltmeisterschaft zurückgekommen bin, bei der Gelegenheit hat sie blöd geschaut, als sie sah, dass ich blau war. Im Puff habe ich ja nur getrunken, und Alberto wollte nirgendwo anders hingehen.

Nach dieser WM hatte ich den Gedanken, gut, jetzt kommt ein Unfall. Komisches Gefühl im Magen.

Was? Dich wollten sie mit einem vergifteten Speck umbringen und das Gift war auch von der Frau Mama? Bonne Maman? Unsere Mammas. Und dann hat man eins von den hübschen Kindern beschuldigt? Kein Wunder.

Weißt du was, im Jenseits lebt es sich gar nicht so gut wie die Leute glauben. Du kennst das, wenn man nie mehr in die Heimat zurück darf. Egal. Auf Schi bin ich seither nicht mehr gestanden. Die Kripo wird sich schon was einfallen lassen, Zeugen gibt es ja genug. Mach’s gut, es wird schon werden.

 

(Foto Schifahrer Christian Jansky, CC BY-SA 3.0), Foto Pralinen mOOrango, CC BY-SA 2.0)

 

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