Mein Bruder Franz Innerhofer

Im Jahr 1944 ist in Wien ein Kind zur Welt gekommen, das später im Pinzgau von fremden Leuten aufgezogen worden ist. Es sah sich plötzlich in eine fremde Welt gestellt; und alle taten so, als sei seine Mutter nicht dazu fähig, für es zu sorgen.

Der Schriftsteller Franz Innerhofer ist mein Halbbruder. Die Geschichte unserer Verwandtschaft ist allerdings so irrsinnig, dass ein Marquis de Sade sie kaum aufschreiben hätte können ohne zu loszuheulen, und der Kerl hat so manche Grausamkeit zu Papier gebracht.

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Josef Pirchner (dritter von rechts) und Olga Pfeffer (zweite von rechts) im Kreis Ihrer verworfenen Familie

Innerhofer ist der Sohn einer gewissen Olga Pfeffer, die die Halbschwester meines so genannten Großvaters Josef Pirchner, genannt Sepp, war. Olga war im Haushalt von Sepps Eltern, die den Abschaum von Ra verkörperten wie sonst wenige Familien, großgezogen worden und Sepp hatte sie mit 16 Jahren im Rahmen einer klassischen häuslichen Blutschande geschwängert.

Die Schwangerschaft verbrachte Olga als Dienstmädchen in Wien. Man hatte sie weggeschickt, um die „Schande“ einer unehelichen Geburt nicht vor der Nase zu haben. Es muss eine merkwürdige Zeit für sie gewesen sein, in der großen Stadt. Wahrscheinlich war sie glücklich, der widerwärtigen Atmosphäre ihres Elternhauses entkommen zu sein.

Eines Tages begann Sepp zu quatschen und erzählte den Leuten, dass er seiner Schwester ein Kind gemacht habe. In einem Brief an ihre Halbschwester Traudl (die später Sepps Frau werden sollte) beschwerte sie sich darüber, auf Rotwelsch. Es wurde ein Plan gefasst.

Olga sollte zur Polizei gehen und erzählen, sie habe ihr eigenes Kind getötet, auf dass man es verschwinden lassen konnte. Zu problematisch wäre es gewesen, Sepp zur Verantwortung zu ziehen, er hatte schon einiges am Kerbholz. Traudl sollte sich als die Mutter des verschwundenen Kindes ausgeben, was möglich war, weil sie sich seit Jahren in München aufhielt.

Damit die Sache glaubwürdiger aussah berichtete Olga der Polizei, sie habe ihren kleinen Sohn im Backofen verbrennen lassen und die Reste in die Donau geworfen. Das bedeutete viele Jahre Gefängnis und lebenslange Schande für das junge Mädchen.

Was Olga nach dem Krieg gemacht hat ist nicht klar. Sie soll als Prostituierte gearbeitet und sich zeitweise gegenüber meiner so genannten Mutter als Erpresserin betätigt haben.

Sepp ist auch mein Vater, obwohl er sich als mein Großvater ausgegeben hat. Er ist ein Heuchler, ein Gigolo gewesen und einer der furchtbarsten Verbrecher, die das deutsche Volk je hervorgebracht hat. Franz und ich, wir hatten mit unseren Leuten kein Glück.

Menschen, die ich schätze oder liebe wenden sich mit Ekel von mir ab wegen dieser Dinge.

(Fotos: privat, Foto Innerhofer mit freundlicher Genehmigung von Sepp Dreissinger)

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