1984: Mein Vater und der Glykol-Skandal

Im Jahr 1984 (Big Brother lässt grüßen) ereignete sich in Österreich der Weinskandal. Zahlreiche Weinbauern wurden dabei erwischt, Frostschutzmittel in ihre Produkte gemischt zu haben. Hinter diesem „Skandal“ verbargen sich aber noch ganz andere Dinge.

Ich erlebte diese Zeit als Säugling. Mein Vater war damals Filialleiter eines Supermarktes im Pongau/ Salzburg. Ihm war länger aufgefallen, dass manche Waren nicht in Ordnung sein konnten. Menschen aus dem Ort wurden krank oder beschwerten sich.

Später erzählte mir mein Vater, dass er sich über den offensichtlich vergifteten Wein (es war nicht nur Frostschutzmittel) bei den Behörden und bei Lieferanten beschweren wollte. Man zahlte ihm diese Beschwerden mit verschiedenen Gemeinheiten heim. Unter anderem verloren wir unser Haus.

Er ging auch zur Polizei. Dort meldete er, dass manche Frauen gezielt Waren aus dem Angebot heraussuchten und die Chargennummern lasen. Offenbar hatten die Hersteller Codes in diesen Nummern versteckt. Mein Vater entfernte dann zum Beispiel alle Packungen mit weißem Traubensaft und verdächtigen Nummern.

Viel später erfuhr ich, dass die „lebende Überwachungskamera“ Sigi mit einem solchen weißen Traubensaft getötet werden hätte sollen. Sogar im Fernsehen warnte man vor diesem Saft, der besonders süß gewesen sein soll.

(Cover „Der Spiegel“, 1985 und Übersichtsplan des Ortszentrums von St. Johann im Pongau aus einer Strafakte)

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