Mietpreissenkung

Wie wir uns im Kaffeehaus verliebt haben

Ich soll erzählen, wie ich mich in meinen Schatz Julia verliebt habe. Ehrlich gesagt ist es auf der Straße passiert, vor dem Gymnasium in St. Johann im Pongau, an einem Nachmittag, als Julia begonnen hat, enge T-Shirts zu tragen. Mit dem Alter „soll ich nicht lügen“ und ich gebe zu, sie war zwölf. Schon mit elf habe ich sie im Treppenhaus des blöden Gymnasiums gesehen und ihre unglaublichen Bewegungen und ihre abfälligen, leicht abwesenden Blicke bemerkt.

Wirklich schwer verliebt habe ich mich in sie im Kaffeehaus. Julia hatte ihren Tanzlehrer dazu angestiftet, ein Flötenstück, das ich damals zum Besten gab, aufzunehmen und tanzte in der örtlichen Tanzschule „Holy“ dazu. Dann nahm ich einen Ferienjob an, und alle Teilnehmer des Jobs, der im Wald stattfand, trafen sich im Kaffeehaus. „Rein zufällig“ war auch Julia dabei, unter dem Vorwand ihre hässliche Schwester, die hinter mir her war, zu begleiten.

Ich soff „Achterl Rot“, was das Zeug hielt, und Julia war 13. Ich war drei Meter von ihr entfernt und starrte ihr zwei Stunden ins Gesicht. Sie war so humorlos, unbewegt und so dermaßen verliebt in mich, dass ich in meinem Rausch fast zu weinen begann. Äußerlich lachte ich. Sie sagte nur wenig, um den Eindruck zu erwecken, „cool“ zu sein. Wir versprachen uns ewige Liebe.

Julia wohnte bloß 100 Meter vom Kaffeehaus entfernt. Mit meinem Freund Hannes suchte ich dann dauernd das Lokal (den „Schiebel“, oben links) auf und „hoffte“ grinsend darauf, meine große Liebe zu treffen. Wenn sie ihre Haare hochgesteckt hatte, oder es sich so ergab, dass sie seitlich neben mir zu sitzen kam, war ich glücklich. Sie gab sich ungeheuer humorlos und „gebildet“, und ich drehte fast durch.

Hannes und ich wir bemühten uns, eine Art humoristische Sprachregelung für meine Liebe zu Julia zu finden. Schließlich einigten wir uns laut lachend bei der Melange darauf, dass Julia „liebe Titten hat aber ein wenig deppert ist“, und sie bekam alles mit. Mit gnadenlosen Blicken strafte sie mich und dann küssten wir uns heimlich am Klo.

Vor ihren Freundinnen verbarg sie das, weil ich mit einem vorbestraften Burschen aus der Stadt die so genannte „Rotbraune Fraktion“, eine satirische Terrorgruppe, gegründet und den Anwohnern laut verkündet hatte. Ganze Täler hätten mit stalinistischen Staudämmen zugebaut und politische Gegner in die Wüste geschickt werden sollen. Julias Schulfreund Harry, ein doofer Spitzel, meldete unsere Schmusereien den Italienern.

Meine Ziehmutter drohte mir immer wieder mit dem Tod, wenn ich Julia getroffen und ihr meine Liebe erklärt hatte. Immer wieder forderte sie in ihrem SPÖ-Jargon eine „Mietpreissenkung“ in Österreich, was so viel bedeutete wie dass ich verrecken solle, wenn ich Julia bezirze. 1993 veranlasste sie auch aus Zorn über unsere in St. Johann jedem bekannte, große Liebe die so genannte Briefbombenserie, die am Gang zur örtlichen Polytechnischen Schule ausklamüsert wurde.

Natürlich durfte ich Julia nicht zu mir nach Hause mitbringen.

Julias Erscheinung damals war unvergleichlich, und sie ist es heute noch. Schon mit 14 war sie gepflegt wie eine Hollywoodschauspielerin, mit 16 begann sie, als „Veganerin“ aufzutreten, war unglaublich schlank und beeindruckte mich mit ihren bombigen 70 C. Ich werde unsere Zeit im Provinzcafé nie vergessen, es war unsere schönste Zeit.

(Fotos privat)

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