Afrika

Methodik der Afrika-Analyse

Wir werden heute einige methodische Aspekte unserer Analyse der israelischen Terroroperation 1984/85 in Äthiopien zeigen. Dadurch wollen wir unsere Arbeit nachvollziehbar und transparent machen, so weit das möglich ist.

Diese Analyse stützt sich auf schriftliches Material, persönliche Beobachtungen, Schilderungen von Zeugen oder Spitzeln und auf Informationen geheimdienstlicher Whistleblower. Dazu kommt die historische Einordnung der Vorgänge und die Darstellung von Kommunikationsstrukturen und die Gegenüberstellung der äthiopischen Sicherheitsarchitektur jener Zeit mit Sicherheitsstrukturen, die sich als widerstandsfähig gegen solche israelischen Operationen erwiesen haben. Schließlich müssen wir auch jenes Material einbeziehen, das die Israelis in strategischer Voraussicht für den Moment der Aufdeckung, also für unsere Arbeit, vorbereitet und hinterlassen haben. Und die Ideologie der Akteure spielt eine Rolle.

Wovor fliehen die Menschen oben im Bild? Ist es wirklich der Hunger? Wir können das zunächst nicht bestätigen. Aus der Analyse der oben angegebenen Punkte wissen wir (soweit sei vorgegriffen), dass diese Menschen vor – wie sie glauben – bösen Geistern fliehen, die ihnen die Kinder verstümmelt haben.

Wie sieht nun konkret das Material aus, das wir analysieren, und was wird konkret wie analysiert? Ein Beispiel.

Oben ein Schriftstück aus der Haftkorrespondenz eines israelischen Agenten, der 1983, als die Operation schlussfinanziert wurde, in einem fränkischen Gefängnis saß. Was kann man daraus entnehmen?

Es handelt sich um ein Schriftstück, das in traditionellem Aktenrotwelsch abgefasst ist. Das bedeutet, dass man Elemente wie das Aktenzeichen, das Datum, das Jahr, graphische Aspekte, Adressen, Positionen im Schriftstück (etwa das Eck) zu entziffern und in einer komplexen Systematik auf einander beziehen muss. Daraus lässt sich, wenn man die Akteure und ihre Bedarfe an Desinformation kennt, eine Art Text ableiten, der einen Aspekt der Operation charakterisiert.

Damit allein lässt sich noch nicht viel anfangen. Die Frau, die dem fränkischen Häftling Anweisungen für seine Kommunikation gegeben hatte, war meine israelische Ziehmutter Therese Pfeffer. Als das Schriftstück oben abgefasst wurde, ließ sie sich nach einer spektakulären Selbstvergiftung brutal ohne medizinische Indikation den Bauch aufschlitzen, um sich als „Sozialdemokratin“ und „Gegner der Israelis“ darstellen zu können. Und 2017 hat mir der betreffende israelische Agent eine alte Zeitungsanzeige aus jener Zeit herumliegen lassen, die einen Befehl der Staatssicherheit fingiert, diese Frau für ihre materielle Unzufriedenheit „bestrafen“ zu lassen.

Die Frau drückte auf die Tränendrüse und hatte doch unermessliches menschliches Leid verursacht. Und wir müssen heute alle diese Elemente zusammenführen, ohne jenen auf den Leim zu gehen, die bereits 1983 mit unserer Arbeit gerechnet und die wildesten Scheinspuren gelegt haben.

(Dokumente Arbeitskreis NSU)

Mitarbeit Vivi König

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