Opfer

Geschichten von Decken und Typhusläusen

Im Jahr 1993 hat mir die burgenländische Zigeunerin Ceija Stojka nach einer Lesung aus einem ihrer Bücher vor einigen wenigen Zeugen – die ich nicht nenne – von ihrem Aufenthalt in Auschwitz-Birkenau erzählt. Sie nannte erstaunliche Details, Dinge, die niemand für möglich halten würde.

Zusammen mit anderen Kindern musste sie in der Kleiderkammer arbeiten, hieß es. Mit großen Augen starrte sie mich plötzlich an; „Typhusläuse“ mit einem blauen Kreuz am Rücken seien es gewesen. Die Kinder hatten Decken zu stapeln, einige Zeit zu horten und an der SS vorbei an bestimmte Häftlingsgruppen auszugeben. Die „Deckenkammer“ wurde von Häftlingsfunktionären geleitet.

Frau Stojka hat mir alles genau berichtet. Oben links der Ort des Gesprächs, das so genannte Schloß Goldegg im Pongau in Salzburg. 1944 war Stojka als Spitzel der Gestapo angeworben worden. Die Erzählung auf Schloß Goldegg war sicher von langer Hand geplant. Sie enthielt neben der genannten Passage auch realistische Bemerkungen über Haftgründe.

Ihr Vater soll in Schloß Hartheim ermordet worden sein. Wissenschaftler wie Herwig Czech, die als anerkannte Antifaschisten solche Zusammenhänge erforschen, landen in Österreich hinter den Mauern einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

(Fotos Screenshots YouTube)

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